Koenig & Bauer und Siemens gestalten die softwaredefinierte Maschinenarchitektur der nächsten Generation

Modulare Softwarebausteine und offene IT-Strukturen sichern maximale Flexibilität und Investitionssicherheit im Hochleistungsmaschinenbau

  • Strukturierter Übergang zu einer durchgängigen, objektorientierten IT-Infrastruktur im Hochleistungsmaschinenbau
  • Übersetzung komplexer Maschinenfunktionen in modulare Softwarebausteine
  • Offene Architektur als strategische Antwort auf den globalen Fachkräftemangel
  • Konzept wird direkt am Prototypen erprobt
  • Mehrjähriger Fahrplan steuert auf Branchenmesse drupa 2028 zu

Die vor einem Jahr initiierte strategische Partnerschaft zwischen Koenig & Bauer und Siemens entwickelt sich planmäßig entlang der definierten mehrjährigen Roadmap. Im April 2025 gaben die beiden Unternehmen ihre zukunftsweisende Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Entwicklung zukunftsfähiger Maschinenkonzepte bekannt.

Das Projekt befindet sich aktuell mitten in einer intensiven, agilen Entwicklungsphase. Anstatt IT-Konzepte isoliert am Schreibtisch zu entwerfen, programmieren und evaluieren die Teams beider Unternehmen die neuen Architekturen im engen Co-Development direkt an einem Rapida 106 Prototypen. In diesem iterativen Prozess wird Schritt für Schritt entwickelt, wie sich essenzielle Kernfunktionen – wie die absolute Synchronität im Maschinen- und Bogenlauf, Waschprogramme oder die präzise Taktung im Positionierprogramm – in Echtzeit steuern lassen.

Diese Form der Weiterentwicklung hochkomplexer Industrieanlagen für die globale Druck- und Verpackungsindustrie folgt einer klaren Logik: Gefragt sind zukunftssichere IT-Strukturen, die sich nahtlos in moderne Fabrik-Ökosysteme einfügen und maximale Flexibilität bieten. Gleichzeitig erfordert der weltweite Mangel an spezialisierten Automatisierungsexpert:innen neue Ansätze im Engineering. Vor diesem Hintergrund treiben Koenig & Bauer und Siemens ein langfristig angelegtes, strategisches Entwicklungsprojekt voran, um die Fundamente für die kommenden Druckmaschinengenerationen zu schaffen. Ein Jahr nach dem Projektstart zeigt der erfolgreiche Zwischenschritt, wie der Übergang zu einer durchgängigen, objektorientierten IT-Infrastruktur im Hochleistungsmaschinenbau gelingt.

Zukunftssicherung durch technologischen Weitblick

Für Koenig & Bauer ist diese Kooperation ein wesentlicher Bestandteil einer vorausschauenden Konzernstrategie. Stephen Kimmich, CEO von Koenig & Bauer, ordnet den strategischen Horizont ein: „Mit unserem aktuellen Produktportfolio erwerben unsere Kunden Anlagen, die weltweit den Maßstab für höchste Produktivität setzen und ihre Wettbewerbsfähigkeit im Hier und Jetzt absichern. Doch als Vorreiter der Branche tragen wir die unternehmerische Verantwortung, weiter vorauszudenken. Die strategische Partnerschaft mit Siemens ist die konsequente Fortführung unserer Technologiestrategie: Wir durchbrechen bestehende Systemgrenzen und machen plattformunabhängige Software-Strukturen für die Druckindustrie nutzbar. Damit übersetzen wir unsere heutige Hardware-Exzellenz in die operative Agilität der nächsten Dekade”. 

Auch aufseiten von Siemens wird das Projekt als wegweisende Partnerschaft verstanden. Michael Thomas, Senior Vice President Factory Automation bei Siemens erklärt: „Unsere Zusammenarbeit ist auf einen strategischen, mehrjährigen Innovationspfad ausgelegt. Im anspruchsvollen Spitzenbereich des Maschinenbaus müssen moderne IT-Werkzeuge und mechanische Höchstleistung perfekt ineinandergreifen. Dieses Co-Engineering erlaubt es uns, die Potenziale unserer neuen Steuerungswelt tiefgreifend zu erschließen und gemeinsam mit Koenig & Bauer den Standard von morgen zu definieren.“

Der technologische Kern: SIMATIC AX und der Projektgenerator

Das zentrale Ziel des Projekts ist die schrittweise Implementierung des Konzepts des „Advanced Machine Engineering“. Als zentrale Entwicklungsumgebung wird hierbei die hochsprachenbasierte Plattform SIMATIC AX genutzt.

Christian Ziegenbalg, Chefkonstrukteur bei Koenig & Bauer, erläutert die strategische Ausrichtung der Softwareentwicklung für die Druckmaschinen: „Im Zuge dieser gezielten Modernisierung verfolgt Koenig & Bauer das klare Ziel, eine zukunftsfähige Softwarestruktur unter Nutzung moderner und normkonformer Programmiersprachen zu etablieren. Dies bildet das Fundament, um auch in den kommenden Jahrzehnten wettbewerbsfähig und performant aufgestellt zu sein. Dabei orientieren wir uns konsequent an der bewährten Flexibilität im Bogenoffsetbereich, um jederzeit agil auf Marktveränderungen reagieren zu können.“

Mithilfe von objektorientierter Programmierung und SIMATIC AX werden komplexe Maschinenfunktionen in modulare, hardwareunabhängige Software-Objekte überführt. Diese standardisierten Bausteine bilden die Basis sowohl für die Serienproduktion als auch für kundenindividuelle Anlagen und ermöglichen den Aufbau einer skalierbaren Software-Bibliothek.

„Das gemeinsame Projekt mit Siemens ist eine intensive und anspruchsvolle Entwicklungsreise. Es unterstreicht unseren Anspruch, technologische Innovationen durch strategische Kooperationen voranzutreiben“, erklärt Christian Steinmaßl, Mitglied der Konzernleitung von Koenig & Bauer. Das erklärte Ziel beider Partner ist es, in der jeweiligen Industrie neue Benchmarks zu setzen, die Marktposition nachhaltig zu stärken sowie den Kunden langfristig maximale Stabilität und kompromisslose Qualität zu garantieren.

Das direkte Zusammenspiel aus Entwicklung und sofortiger Verifizierung an der Maschine dient dem fortlaufenden, stabilen Aufbau der Software-Bibliotheken. Der technologische Mehrwert dieser neuen Steuerungsebene wird sich künftig direkt im produktiven Alltag widerspiegeln. Durch eine tiefere Datenintegration wird die Basis für ein lückenloses Echtzeit-Monitoring und vorausschauende Instandhaltung (Predictive Maintenance über das myKyana Serviceportal) geschaffen. Parallel dazu ermöglicht der zukünftige Einsatz digitaler Zwillinge eine virtuelle Inbetriebnahme weit vor der physischen Fertigung der Anlage. Die offene Architektur bildet zudem das Rückgrat für ein zukunftssicheres Lebenszyklus-Management inklusive vorzertifizierter Safety-Bibliotheken  sowie die Option, digitale Maschinenfunktionen künftig flexibel als „Features on Demand“ per Remote-Zugriff zu aktivieren.

Kurs auf den Branchenmeilenstein drupa 2028

Der Fahrplan des Projekts folgt einer strikten Logik der operativen Sicherheit. Nach dem erfolgreichen Abschluss der aktuellen Entwicklungsphasen bilden umfassende Industrieerprobungen im realen Marktumfeld künftige Meilensteine vor einer Serienfreigabe. Für die Kunden bedeutet dies absolute Kontinuität: Während das bestehende Portfolio weltweit die gesetzte Produktivitäts-Benchmark bleibt, stellen Koenig & Bauer und Siemens die Weichen für morgen. Erste konkrete Automatisierungsfunktionen dieses langfristig angelegten Entwicklungsprojekts werden die Partner auf der Branchenmesse drupa 2028 erlebbar machen.